LKAB Iore – Skandinavisches Kraftpaket

Skandinavien ist eine der atemberaubensten Regionen unseres Planeten. Jenseits des Polarkreises, hoch im Norden in einer Welt aus Eis und Schnee, fahren Europas stärkste Elektrolokomotiven und erbringen Leistungen, welche weltweit ihresgleichen suchen. Bis zu 8600 t schwere Züge vollbeladen mit Eisenerz wollen von den Minen im schwedischen Kiruna zu den ganzjährig eisfreien Häfen im norwegischen Narvik befördert werden.

Ende 2024 hatte ich mir in den Kopf gesetzt, mich der besonderen Herausforderung dieser Lok zu stellen. Wobei man hier anmerken sollte, dass die Iore zwar als einzelne Loks gebaut wurden, in der Regel aber immer nur im Doppelpack eingesetzt werden. Je 5400kW Leistung pro Lokeinheit und insgesamt 1400 kN Anfahrzugkraft pro Doppellok sind definitv nicht zu unterschätzen.
Um den arktischen Gegebenheiten zu trotzen, wurden die Loks bewusst von den damaligen Ingenieuren so konstruiert, dass sich möglichst wenig Schneeverwehungen oder Ähnliches an der Lok ansammeln können. Das Ganze lässt die Loks verhältnismäßig „glatt“ oder auch „einfach“ aussehen. Es sind nicht wirklich viele äußerliche Details vorhanden. Man könnte meinen, dass würde den Nachbau aus Lego-Steinen erleichtern.
Leonardo da Vinci wird folgendes Zitat nachgesagt: „Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung.

Und so begann der lange Designprozess. Bilder und Skizzen wurden herausgesucht, erste Versuche für die dreiachsigen Drehgestelle und den Lokkasten entstanden auf dem Schreibtisch und wurden auf Stabilität und Zuverlässigkeit geprüft. Die „Einfachheit“ des Originals war viel schwieriger umzusetzen, als ich dies gedacht hatte.
Günstig erworbene „Buwizz“ Buggymotoren sollten zunächst für einen ebenso kraftvollen Antrieb wie beim Original verwendet werden. Der erste und bis dato einzige öffentliche Auftritt der Lok waren vorgesehene Testfahrten auf unserer eigenen Austellung – dem „NLGM 2025“. Dort habe ich diese grandiose Idee mit dem Antrieb dann aber allerdings recht schnell wieder verworfen, denn mal ehrlich…
Schnelllaufende Buggy-Motoren in einer Lok, welche in Realität nur eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h hat? Ich hatte auch schon bessere Ideen…
Aber soweit hat das Grundkonzept der Lok überzeugt und auch das Feedback und die Kritik der anderen Mitaussteller war richtig und wichtig.
Ursprünglich wollte ich die Lok in einer überarbeiteten Version für die diesjährigen Brick-Train-Awards einer breiteren Öffentlichkeit zeigen. Nun wurde es dieses Jahr leider nichts mit den BTA und so verschwand dann auch der Druck die Lok doch noch zeitnah zu überarbeiten.

Insgesamt haben sich drei Problemschwerpunkte beim Bau herauskristalisiert:
1. Dreiachsige Drehgestelle und der dazugehörige Antrieb
2. Festigkeit und Stabilität der Kupplung
3. Die Logos und Schriftzüge an den Seiten der Lok.

Anstatt hier nun irgendwelche Experimente mit Buggymotoren durchzuführen, werden konventionelle „L-Motoren“ als Antrieb verwendet. Die Zugkraft wird mehr als ausreichend sein und ausnahmsweise wird das eher gemütliche Tempo der Motoren zu einer vorbildgerechten Geschwindigkeit des Zuges führen. Die „M“-Räder von „HA-Bricks“ haben auch keinerlei Probleme gemacht und bis jetzt treten weder in Gleisbögen, noch im Weichenbereich Probleme auf, obwohl die mittlere Achse des Drehgestells nicht wirklich seitenverschiebbar gelagert ist. Sollte es aber dennoch zu Problemen kommen, so können die mittleren Radsätze auf kleinere „MS“-Räder umgerüstet werden.

Die Probleme mit den Kupplungen konnten ebenfalls weitestgehend behoben werden. Für die noch zu bauenden passenden Erzwagen werden die verstärkten Magnetkupplungen der Firma „HA-Bricks“ zum Einsatz kommen oder ich werde ganz auf feste Verbindungen zwischen den Wagen setzen.

Bleiben also nur noch die Logos und Schriftzüge auf den Seitenwänden….
Nachdem unzählige Versuche eine baubare Lösung zu finden gescheitert sind, habe ich mich dazu beschlossen, zumindest die Logos und die Texte als Aufkleber/Sticker auszuführen. Lediglich die Seitenwand mit dem Gebirgsmuster könnte man so (oder so ähnlich) aus Lego-Steinen nachbauen.

Am Ende wird die fertige Doppellokomotive im Maßstab 1:45 eine Länge von ca. einem Meter aufweisen. Dazu kommt dann natürlich noch der eigentliche Erzzug, welcher im Vorbild aus 68 Wagen besteht. Würde ich tatsächlich einen solch langen Zug bauen, so könnte er vermutlich aufgrund der Länge auf keiner mir bekannten Ausstellung in Europa fahren. Von der drohenden Privatinsolvenz für den Bau von knapp 70 Wagen einmal ganz abgesehen…

Ich entschied mich keine der real vorhandenen Loks nachzubauen. Daher erhalten die Loks fiktive Betriebsnummern und Namen.
Benannt wurden die Loks nach zwei Schiffen der Hurtigruten Reederei.

Für das NLGM 2026 ist ein Einsatz der komplettierten Doppellok vor zumindest normalen Güterzügen geplant. Sollte sich die Lok dort gut bewähren und keine größeren Kinderkrankheiten vorkommen, dann wird diese Lok vermutlich auch zeitnah als kostenlose Bauanleitung auf Open-L-Gauge zu finden sein.
In diesem Sinne:
Leg Godt og på gjensyn

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